
Foto: Sabine Ludwig | DiCV Würzburg | | Das Kreuzbund-Angebot ist vielseitig. Der Stellvertretende Kreuzbund-Vorsitzende Wolfgang Hetz ist unter anderem mit für die Seminarplanung zuständig. Dazu zählen Wochenendseminare in der Rhön und Tagesmodule, meist in Würzburg.
Selbsthilfegruppen gibt es viele. Auch der Kreuzbund als Fachverband der Caritas gehört dazu. Hier treffen sich in regelmäßigen Abständen suchtkranke und suchtgefährdete Menschen sowie deren Angehörige. Die Alkoholsucht zählt laut der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) zu einer der häufigsten Abhängigkeiten. In Deutschland sind schätzungsweise 2,1 bis 2,2 Millionen Erwachsene im Alter von 18 bis 64 Jahren direkt betroffen. Hinzu kommen etwa 1,7 Millionen Menschen mit schädlichem Alkoholmissbrauch, sodass insgesamt rund 3,9 Millionen Erwachsene eine alkoholbezogene Störung aufweisen.
„Nur“ ein paar Flaschen Bier
Wolfgang Hetz, Stellvertretender Vorsitzender vom Kreuzbund Diözesanverband Würzburg e. V. ist ein Betroffener. Wie viele andere. Er hat es geschafft, denn seit 2011 ist der heute 65-Jährige „trocken“. Wie bei vielen Suchtkranken fing es schon in der Jugend mit „nur“ ein paar Flaschen Bier am Tag an. „Alkohol verstand ich als Belohnung. Nach dem Fußballspiel oder zu Familienfeiern. Das war damals etwas Besonderes.“ Als Heranwachsender besuchte er gerne Tanzabende. „Ich war eher der Typ ‚Balu, der Bär‘ als ein flotter ‚John Travolta‘“, erinnert er sich schmunzelnd. „Bei den Mädchen kam ich nicht so gut an. Leider!“ Aus Frust zog er sich mit seinen Kumpels an die Bar zurück. Im Laufe der Jahre wurde das Begehren nach dem Gerstensaft immer stärker, mit täglich bis zu 25 Flaschen Bier. Seine Abhängigkeit war für seine spätere Ehefrau schließlich zu belastend. „Es war kurz vor zwölf, als sie mir sagte, dass sie mich verlassen würde, wenn ich nicht aufhöre. Da wusste ich, dass die Entgiftung die einzige Chance für mich ist, nicht komplett abzustürzen.“ Es klappte. Nach drei Wochen Entzug in einer Klinik fing für Hetz ein neues alkoholfreies Leben an. Doch ohne die regelmäßigen Treffen der Kreuzbund-Selbsthilfegruppe, die Gespräche mit Gleichgesinnten dort und begleitende Worte zum Durchhalten hätte er es nicht geschafft, betont er. „Zumal vor ein paar Jahren oft schon die Gestik, also der Griff nach dem Glas oder der Flasche, von Sehnsucht geprägt war.“
Freude und Dankbarkeit
Der Kreuzbund hilft ihm seit seiner Entgiftung 2011. „Und seit 2012 bin ich Mitglied“, sagt er. Tiefe Freude und Dankbarkeit stecken hinter seinem Engagement. „Ich erwarte kein Lob.“ Stolz sei er auf seine Tätigkeit im Vorstand. Hetz kümmerte sich einige Jahre um die Seminarplanung, seit diesem Jahr aber verstärkt um die Vorbereitung und Durchführung von Sitzungen. Insgesamt organisiert er ca. 30 Gruppen, zwei Infotreffs sowie zwei Frauengesprächskreise. Auch andere Süchte als die nach Alkohol werden thematisiert: „Seltener kommen bei uns Spiel-, Kauf-, Ess-, Medikamenten/Drogen-, Digital- und Sexsucht zum Tragen. Doch sind wir für alle Süchte offen.“
Der Angestellte im öffentlichen Dienst trifft mit seinen Mitstreitern Selbsthilfesuchende auch direkt in den Entgiftungsstationen der Krankenhäuser. Vor allem Jugendliche bereiten ihm mitunter große Sorgen: „Die jungen Menschen nehmen alles, was zudröhnt. Die reine Alkoholsucht lässt bei Betroffenen nach, heutzutage spielt sie sich fast nur noch bei älteren Menschen ab. Gefragt bei den Jüngeren sind synthetische Drogen und andere „Mode“-Suchtmittel!“
Mit Gleichgesinnten stelle er den Kreuzbund im Krankenhaus vor, erzählt Hetz. Das Internet unterstützt dabei: „Einfach ‚Kreuzbund‘ in Google tippen! Und schon kann man unter rund 1000 Selbsthilfegruppen bundesweit auswählen.“ Und: „Angesprochene Probleme bleiben in der Gruppe. Es besteht Schweigepflicht.“ Der aus dem Raum Schweinfurt Stammende blickt auf sein früheres Leben zurück. Heirat, Nachwuchs und Hausbau waren wichtige Etappen. „Ich merkte längst, dass ich zu viel trinke. Der Leidensdruck wurde immer größer.“ Nach der Entgiftung kamen Gruppentherapien sowie psychologische Einzelgespräche und dann der Kreuzbund, der ihm half und hilft, dem Alkohol zu widerstehen. Ausschlaggebend sei bei jedem Betroffenen der eigene Wille. „Wir warten auf Menschen, die ihrer Sucht konsequent entgegentreten wollen – mit oder ohne vorherige Entgiftung.“
Sich selbst beobachten
Josef Hofner (Name von der Redaktion geändert) engagiert sich ebenfalls beim Würzburger Kreuzbund. In einer Gruppe ist Kaufsucht Thema. „Eine Betroffene „verspürte den Drang, zu kaufen, entweder in entsprechenden Läden oder online“, erzählt der 69-Jährige. Durch regelmäßige Treffen lerne sie nun, besser mit ihrer Sucht umzugehen. „Wichtig ist, sich selbst zu beobachten. Denn die Gefahr, rückfällig zu werden, ist immer nur eine Armlänge weg.“ Beliebte Geschäfte seien möglichst zu meiden, erläutert der Ehrenamtliche. Dass sie ihre Sucht in den Griff bekam, hat die Frau neben psychologischen Beratungen auch der Kreuzbund-Gruppe zu verdanken.
Hofner selbst hat seine Alkoholsucht gemeistert. Auch bei ihm ging es in erster Linie ums Bier. Seine Entwöhnung begann aus Scham nach einem alkoholbedingten Sturz. „Außerdem gab es Vorwürfe in der Familie“, erzählt der frühere Beamte. „Ich lebte nicht auf der Straße, sondern hatte einen Job, Führerschein und eine Wohnung. Gut situiert eben! In der Tat, es kann jeden treffen.“ Drei Wochen im Krankenhaus zur Entgiftung, danach zur Reha – bis heute ist Hofner trocken. „Ich bin stolz auf mich, dass ich das alles durchgehalten habe“, betont er. „Dank sei dem Kreuzbund!“

Foto: Sabine Ludwig | DiCV Würzburg || Bei dem heutigen Stellvertretenden Kreuzbund-Vorsitzenden Wolfgang Hetz begann es mit ein paar Flaschen Bier in der Jugend.
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Die Geschichte des Kreuzbundes
Gründung des „Katholischen Vereins gegen den Missbrauch geistiger Getränke“ in Aachen im Jahr 1896. Später wurde aus dem Verein das „Katholische Kreuzbündnis“. 1909 erfolgte der Zusammenschluss zum „Kreuzbündnis – Verein abstinenter Katholiken“. Heute ist der „Kreuzbund“, nach eigenen Angaben, der größte deutsche Selbsthilfeverband für Suchtkranke und deren Angehörige. Als Fachverband der Caritas bietet er in bundesweit rund 1000 Gruppen kostenlose und vertrauliche Unterstützung für ein suchtmittelfreies Leben. Der Dachverband Würzburg wurde 2001 zum eingetragenen Verein und zählt heute ca. 430 Mitglieder. Zurzeit gibt es 27 Diözesanverbände des Kreuzbundes, die den Bistümern der katholischen Kirche entsprechen.
Sabine Ludwig | DiCV Würzburg

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