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Impressionen der Fachklinik Schloss Falkenhof
Seminar Alkohol-Medikamente-Drogen



„Ein Drittel schafft es dank Selbsthilfegruppe“ – Der Kreuzbund im Gespräch mit Dr. Carlo Schmid


Dr. Carlo Schmid

Bensheim/Würzburg. Als größter deutscher Sucht-Selbsthilfeverband bietet der Kreuzbund Suchtkranken und Angehörigen Hilfe, um gemeinschaftlich Wege aus der Abhängigkeit zu finden. Allein in der Diözese Würzburg suchen jede Woche rund 600 Menschen die Selbsthilfegruppen des Caritas-Fachverbandes auf. Viele von ihnen hat Dr. Carlo Schmid in seiner Zeit als Psychologischer Leiter der Caritas-Klinik Schloss Falkenhof, einer Fachklinik für Abhängigkeitserkrankungen in Bensheim, begleitet. Im Interview mit Edgar Grein vom Kreuzbund Diözesanverband Würzburg e.V. blickt er anlässlich seines Ruhestandes auf 30 Jahre Suchthilfe zurück.

Kreuzbund: Was verbindet Sie mit Unterfranken und Würzburg?

Dr. Schmid: Es gibt in meiner Geschichte viele Jahre, die ich mit Unterfranken verbinde. Ich habe in Würzburg meine Frau kennengelernt, dort mehrere Jahre studiert, Staatsexamen gemacht und in der Uni-Klinik und in Werneck in der Psychiatrie gearbeitet. Die Unterfranken habe ich als Menschen kennengelernt, die ehrlich und umgänglich sind, die gerne arbeiten, die ein Schlag sind, die auch gerne einmal fünfe gerade sein lassen. Das hat dazu geführt, dass ich, als ich dort wegging, den Kontakt zu Werneck, Würzburg, Lohr Aschaffenburg und Miltenberg aufrechterhalten habe.

Kreuzbund: Wie viele Ihrer Patienten kommen aus Unterfranken und werden hier in der Caritas-Klinik Schloss Falkenhof behandelt?

Dr. Schmid: Etwa 35 Prozent unserer Patienten in stationärer Behandlung sind Unterfranken. Das ist für eine Klinik in Hessen erstaunlich. Die Patienten, die uns vermittelt werden, berichten zuhause, dass es ihnen hier gut geht und dass sie eine gute Entwicklung machen. Das wird uns auch aus Aschaffenburg, Lohr und Miltenberg zurückgemeldet.

Kreuzbund: Hat sich im Laufe der Zeit die Diagnose eines suchtkranken Patienten hin zu Doppeldiagnosen verändert?

Dr. Schmid: Es ist schon so, dass jedes Suchtmittel einen Hintergrund hat. Das kann in der Persönlichkeit liegen, in der familiären Belastung oder der akuten Arbeitslosigkeit. Es gibt so viele Parameter, an denen das fest zu machen ist. Es gibt tatsächlich eine Mehrzahl von Patienten, die in einer schweren Belastungssituation sind, die Depressionen oder Angststörungen haben, auch Psychosen, die wir mitbehandeln müssen.

Kreuzbund: Was ist seit über 30 Jahren Ihre Motivation, mit Suchtkranken zu arbeiten, wo doch so viele rückfällig werden?

Dr. Schmid: Als ich hierherkam, war ja das Image für einen jungen Psychiater, der mit Suchtkranken arbeitet, ganz schlecht. Meine Idee, mit Suchtkranken zu arbeiten, war in der Psychiatrie eher ein Randbereich. Was ich hier faszinierend fand, war der Ansatz, Familientherapie, Angehörigenarbeit, und auch systemische Therapie zu machen. Das heißt, den Patienten nicht als Sündenbock oder als Problem zu sehen, sondern zu fragen, was die Funktion des Suchtmittels ist, was sich in der Familie oder im Mehrgenerationen-Konflikt verbirgt, und was wäre, wenn wir mit dem Betroffenen und Angehörigen eine Entwicklung einleiten, die zur Abstinenz führt. Das war spannend. Wenn Sie sich zum Beispiel fragen, wie viele Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen tatsächlich aufhören zu rauchen, dann sind es unter 40 Prozent. Und wenn Sie sich fragen, wie viele nach der Reha aufs Ergometer steigen, dann sind das weniger als 35 Prozent. Da wird es einem schwindelig. In unserem Bereich ist es so, dass etwa ein Drittel den direkten Weg in die Abstinenz schafft, ein Drittel über den Weg der Nachsorge und Selbsthilfe, und „nur“ bei einem Drittel müssen wir sagen: Die erreichen wir nicht. Das sind im Vergleich jedoch sehr gute Ergebnisse.

Kreuzbund: Nun stellt sich die Frage der Nachsorge. Wie steht Ihrer Meinung nach der Kreuzbund zu diesen Themen? Wie geht der Kreuzbund damit um?

Dr. Schmid: Wenn ich auf 30 Jahre Selbsthilfe zurückblicke - ich kenne ja den Kreuzbund als Selbsthilfegruppe am besten - dann muss ich sagen, dass er und auch andere Selbsthilfeorganisation gelernt haben, die Berührungsängste mit Drogenabhängigen immer weiter abzubauen, indem sie immer mehr Betroffene mitgenommen haben, kombinierte Gruppen aufgebaut und einfach gemerkt haben, dass es gar nicht um das Suchtmittel als solches geht, sondern um die Auswirkungen. Und sie müssen, überspitzt gesagt, nicht mehr jede Droge selbst ausprobiert haben, um mitreden zu können.

Kreuzbund: Wie sollte der Kreuzbund mit Menschen umgehen, die sich noch nicht entschieden haben, abstinent zu leben, aber trotzdem eine Gruppe besuchen möchten, um beispielsweise weniger zu trinken?

Dr. Schmid: Der Kreuzbund ist heute in der Lage, zu sagen: Jeder Tag, an dem du nichts oder nur wenig trinkst, ist ein Geschenk. Seine Ehrenamtlichen bleiben auch in Kontakt mit jenen Menschen, die sich noch nicht für ein abstinentes Leben entschieden haben. Das ist eine Entwicklung, die ich richtig gut finde.

Kreuzbund: Möchten Sie dem Kreuzbund und seinen Mitgliedern noch etwas mit auf den Weg geben?

Dr. Schmid: Ich ziehe immer meinen Hut vor Menschen, die Abstinenz pflegen, die auf andere Menschen zugehen und sich in Selbsthilfegruppen engagieren. Das ist für mich ein ganz hoher Wert. Hier merke ich, dass unser Suchthilfesystem ohne diese Unterstützung um einen ganz wesentlichen Teil reduziert wäre.

Kreuzbund: Herr Dr. Schmid, wir vom Kreuzbund danken Ihnen sehr für Ihre Zeit und wünschen Ihnen für Ihre Zukunft alles erdenklich Gute und vor allem viel Gesundheit.



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